Gold ist so teuer wie nie zuvor
Freitag 8. Januar 2010 von admin
Trotzdem stehen die Chancen auf weitere Kussteigerungen gut.
2300 Dollar je Feinunze sind wahrscheinlich

Es ist schon fast ein Glaubensbekenntnis: „Ich glaube nicht, dass der Goldpreis jemals wieder unter 1000 Dollar fällt”, sagt Marc Faber. Der renommierte Vermögensverwalter und Börsenbriefschreiber ist seit Jahren ein Fan des gelben Metalls. Er hat damit seit Jahren Recht behalten: Der Goldpreis eilt von Rekord zu Rekord. Ein Ende des sagenhaften Aufstiegs ist auch bei knapp 1200 Dollar nicht abzusehen.
„Das langfristige Kursziel: das Überschreiten des inflationsbereinigten Allzeithochs bei 2300 Dollar je Unze”, notiert Ronald-Peter Stöferle von der Ersten Bank in Wien. Der Experte widerlegt in einer umfangreichen Studie sieben Mythen über den Goldpreis - von „Gold ist zu teuer” bis „Gold ist ein reines Kriseninvestment” . Zusätzlich erklärt Ian Henderson von JP Morgan Asset Management, warum der Goldpreis steigt und warum die Zentralbanken das gelbe Metall kaufen. Darüber hinaus erfahren Sie, welche Goldinvestments in der aktuellen Lage am meisten lohnen - die besten Minen¬aktien, ETFs, Fonds und Zertifikate.
Mythos 1: Gold ist (zu) teuer. Es ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei: Wer war zuerst da? Für Gold heißt das: Steigt der Goldpreis, oder fällt der Wert der jeweiligen Papierwährung? „Gold erhält die Kaufkraft und erhöht sie sogar sukzessive”, urteilt Erste-Bank-Spe- zialist Stöferle. Zum Vergleich: Mit 850 Dollar erreichte der Preis für die Feinunze 1980 einen Rekordstand. ‚Wenn man den offiziellen Inflationsrechner der Federal Reserve verwen- det, läge das inflationsbereinigte Allzeithoch aktuell bei 2300 Dollar”, berechnet der Experte. „Real habenSie in den vergangenen 29 Jahren an Gold nichts verdient”, stellt Ian Henderson von JP Morgan Asset Managment im Umkehrschluss fest. Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel: 1980 lag das durch¬schnittliche amerikanische Haushaltseinkommen bei 17 000 Dollar. Heute läge es deutlich unter der Armutsgrenze. In einen längerfristigen, inflationsbereinigten Rahmen gesetzt, ist der Goldpreis also keineswegs überhitzt. Davon könnte erst die Rede sein, wenn er die 2300 Dollar-Marke knackt.
Mythos 2: Für Euro-Investoren ist Gold uninteressant. Das lässt sich mit langfristigen Zahlen leicht entkräften: Seit 1971 legte Gold, in Dollar gerechnet, durchschnittlich pro Jahr um 10,8 Prozent zu. Für Euro Investoren fällt der Gewinn mit 9,5 Prozent zwar etwas geringer aus, ist aber dennoch stattlich (s. auch Grafik unten).

Mythos 3: Gold zahlt keine Zinsen. Das stimmt. Aber: Das wird leicht durch den Wert- und Kaufkrafterhalt beziehungsweise die Preissteigerung- en kompensiert. „Seit der Gründung der Federal Reserve im Jahr 1913 verlor der Dollar 95 Prozent seines Wertes. Im gleichen Zeitraum stieg Gold um den Faktor 50. Besonders schnell schwindet der Wert der amerikanischen Währung seit der endgültigen Auflösung der Goldbindung: Seit 1971 verlor der Dollar 80 Prozent seiner Kaufkraft. „Zudem scheint ein Vergleich zu Wachstumsaktien angebracht zu sein, die oft ebenfalls keine Dividenden zahlen, trotzdem oft besser laufen als Value-Aktien”, analysiert Stöferle. Ein weiterer Vergleichsmaßstab wären Anleihen: Das Argument, dass Gold keine Zinsen zahlt, lässt sich dann in ein Qualitätsmerkmal ummünzen. Nur Schuldner mit einer schlechten Bonität müssen hohe Zinsen zahlen -„Gold ist somit quasi ein Emittent oberster Bonität und Verlässlichkeit”, führt der Erste-Bank-Fachmann die Parallele weiter. Ein weiterer Vorteil der fehlenden Zinszahlungen ist schließlich das Fehlen eines regelmäßigen Einkommens, das steuerlich relevant wäre.
Mythos 4: Der Goldpreis ist volatil und spekulativ. Studien belegen, dass das nicht stimmt. Aktien, Öl, andere Edelmetalle und Rohstoffe schwanken heftiger - in den meisten Fällen deutlich heftiger. Allerdings: Wenn Gold als „sicherer Hafen” bezeichnet wird, bezieht sich das auf die Absicherung gegen Kaufkraftverluste und Inflation - nicht auf zwischenzeitliche Schwankungen, die erheblich sein können.
Ein weiterer Vorteil: Gold zeigt keine oder sogar eine negative Korrelation zu anderen Anlageklassen: Es gibt keinen - oder nur einen geringen -Gleichlauf zwischen dem Goldpreis und beispielsweise Aktienkursen. Ebenso gilt das für makroökonomische Daten: Die Industrieproduktion oder das Bruttoinlandsprodukt stehen nicht im Zusammenhang mit Änderungen des Goldpreises. „Ausschlaggebend dafür dürfte wohl sein, dass Gold keinem Liquiditätsrisiko unterliegt, einem geringeren Marktrisiko ausgesetzt ist und über kein Kreditrisiko verfügt’, fassen die Erste-Bank-Experten zusammen. „Gold ist - im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen - an keine Verbindlichkeiten oder Versprechungen geknüpft und kann somit nur auf seinen inneren Wert - der in etwa bei der Höhe der gesamten Produktionskosten liegt - zurück-fallen”, so das Fazit.
Mythos 5: In der Deflation ist Gold ein schlechtes Investment. Klar ist: Gold ist ein hervorragender Schutz gegen Inflation und eignet sich für Anleger, die sich gegen eine schwindende Kaufkraft absichern wollen. Doch wie sieht es in Zeiten von Deflation aus? „Als einzige relevante Periode kann man hier die große Depression der 30er-Jahre heranziehen”, meint Stöferle. Allerdings: Zu dieser Zeit galt weltweit der Goldstandard mit einem fixierten Preis für das gelbe Metall. Aber es gibt Annäherungen: 1934 war die Industrieproduktion gegenüber dem Hoch zuvor um 50 Prozent gefallen, die Arbeitslosenrate lag bei mehr als 30 Prozent. Rund um den Globus fluteten die Regierungen die Märkte mit Liquidität, Währungen werteten ab. Wie sich der Goldpreis entwickelt hätte, lässt sich erahnen, wenn man die anschließende Abwertung verschiedener Währungen nach Abkehr vom Goldstandard betrachtet”, analysiert der Erste-Bank-Experte. Großbritannien wertete das Pfund 1931 um 52 Prozent ab, die USA folgten 1933 mit einer Goldaufwertung um rund 60 Prozent. „Als jedoch 1933 die Goldreserven nahe an die minimalen Anforderungen sanken, forderte Präsident Roosevelt die Konfiszierung aller privaten Goldbestände an”, schildert Stöferle das weitere Vorgehen. „Sämtliche Goldexporte wurden gestoppt, der Dollar wertete massiv gegen Gold ab.”

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